Freitag, 25. Oktober 2013

Christa

Der Apple-Store an der Market Street in San Fransisco macht auf den ersten Blick nicht sonderlich viel her. Auch auf einem Foto will er nicht besser aussehen, also lass ich's und gehe stattdessen gleich hinein. Drinnen laufen, wie in jedem Store, blau bepulliete Leute durch die Gegend, um sich um den Kundenandrang zu kümmern. Ich will mir ein neues Handy kaufen. Also sehe ich mich nach einem freien Mitarbeiter um, als neben mir eine Frau auftaucht und stehenbleibt. Sie drückt ihren Ellenbogen in meine Seite und schiebt die Sonnenbrille ein wenig nach unten. "Hey. Do you know how this works?", fragt sie und sieht dabei aus wie eine etwa 50 Jahre alte Mischung aus Whoopi Goldberg und Queen Latifah. Ich antworte: "I guess, you grab yourself one of the blue people over here and they'll help you." Darauf guckt sie sich skepisch um und meint schließlich: "They look confused." Ich entgegne prompt "They always do." und grinse. Nicht, dass ich das beurteilen könnte, immerhin ist das hier erst der zweite Apple-Store, in dem ich mich jemals umgesehen habe. Aber mir ist gerade danach, und die Frau sieht einfach nach jemandem aus, mit dem man scherzen kann. Sie lacht und greift sich den erstbesten Apple-Mitarbeiter, der gerade vorbeihetzen will. "Are you one of those blue people?", ruft sie ihm entgegen. Er stutzt kurz verwirrt und eilt dann weiter. Als sich kein freier Mitarbeiter aus dem Versteck zu wagen scheint, fragt sie mich, woher ich komme, und ich erzähle ihr, dass ich aus Deutschland komme und gerade mit einem Freund im Auto durchs Land bis nach San Fransisco gefahren bin. "And don't you wanna come over and live here?", fragt sie. Sie erzählt mir, sie sei als Kind in Deutschland gewesen und habe einen deutsch-schwedischen Namen. "I'm Christa. What's your name?" - "Nice to meet you, Christa, I'm Ingo." - Wir schütteln uns extra-förmlich die Hände und lachen. "You must come again next year in summer.", sagt sie und fügt hinzu. "You missed all the music and fun. And it's free. You'll love it!" Sie erzählt, sie sei in San Fransisco geboren und aufgewachsen, und dass San Fransisco wahrscheinlich die beste Stadt der Welt sei. Dann sichtet sie einen blauen Pulli, der möglichst unauffällig um einen der Tische schleicht. Sie greift sich den Mitarbeiter und sagt: "Hey. I need one of those ipads. Can you get me one?". Bevor sie in der Menschenmenge verschwindet, dreht sie sich noch einmal zu mir und sagt: "You must try the good food in town!". Dann winkt sie und bedeutet dem Mitarbeiter, er könne sie jetzt zu den Pads führen. Später ärgere ich mich, dass ich kein Foto von Christa gemacht habe.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Friendship!

Okay, mein internationaler Führerschein lässt immer noch auf sich warten - aber es ist ja auch noch ewig Zeit; immerhin geht's erst übermorgen früh los. Die deutschen Formularmühlen werden schon hinkriegen, das kleine Ding bis morgen noch fertig zu malen. Zeit genug hatten sie ja seit Anfang August. Die Kofferpackmühlen lassen sich ebenfalls Zeit. Aber ich nehme an, morgen kommen auch die in Gang. Vielleicht sollte ich eine Liste machen. Eine Liste, die auflistet, was ich alles vergessen habe. Das wär mal was Neues. Außerdem kann man sich für eine solche Liste Zeit lassen über die ganze Reise hinweg. Zur allgemeinen Vorbereitung auf den Trip werde ich mir aber erst noch endlich mal Friendship! anschauen, den Film von Markus Goller. Hat eher durchschnittliche 6.6 Punkte bei der imdb bekommen, aber der Trailer war fein. Wobei ich mich gar nicht daran erinnern kann, im Englisch-Unterricht damals in der Schule jemals "Friendship!" gesagt zu haben. Aber im Alter lässt das Gedächtnis auch nach, sagt man ja...

Sonntag, 3. März 2013

Happy markdown stuff

This is a headline at level 1. Simple, huh?

And this is one at level 3

Hi, this is going to be a post that uses Markdown syntax.

This is a cite: “What do you mean, we’re out of rum?”

Here’s a code block:

Apple apple = new Apple();

Person p = new Person();
p.setName(“Harold”);
p.eat(apple);

Nice, huh?

After a horizontal line…


… we’re going to continue.

What about a link?

Oh, and there’s one more thing

Tables are also very useful [1]

Name Age
Harold 42
Granny Smith 76
Li’l Joe 4

And here’s all the markdown for the site:

# This is a headline at level 1. Simple, huh?

### And this is one at level 3


Hi, this is going to be a post that uses **Markdown** *syntax*.


> This is a cite: "What do you mean, we're out of rum?"


Here’s a code block:

    Apple apple = new Apple();
    
    Person p = new Person();
    p.setName(“Harold”);
    p.eat(apple);



Nice, huh?

After a horizontal line...

*******************************************


... we’re going to continue.

What about a [link](http://de.wikipedia.org/wiki/Markdown)?



## Oh, and there’s one more thing

Tables are also very useful [^fn]

[^fn]: And footnotes are also very useful.



| Name          | Age            |
| ------------- | -------------: |
| Harold        | 42             |
| Granny Smith  | 76             |
| Li'l Joe      | 4              |


  1. And footnotes are also very useful.  ↩

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Bye bye black bird

, singt Diana Krall durch die dürftigen Notebook-Lautsprecher, während ich feststelle, dass ich etwas spät dran bin. Also schnell durch Bad und Frühstücksraum gespurtet, den Schlüssel am Empfang abgegeben und ein Taxi bestellt (alles andere wäre utopisch), und schon kann's losgehen.

Die heutige Keynote ist ein furioser Einstieg in den letzten Tag. Chris Heilmann von Mozilla redet über HTML5, Applikationen im Web und wie sie vielleicht nicht sein sollten, und er hat die Lacher auf seiner Seite.

Ansonsten gibt es noch ein paar interessante Talks zu aktuellen Technologien und einen Run zum Bahnhof, von wo ich eine Stunde bis zum Flughafen gondele, nur um dort festzustellen, dass der Flieger Verspätung hat. Aber Stuttgart ist nicht Berlin, und deswegen gibt es nicht 30 Minuten Verspätung. Es gibt 40 Minuten Verspätung. Danke, German Wings. Vielleicht sollten wenigstens die Gates in den Flughäfen bequemer werden...

Und damit wären wir wieder zu Hause. :)


Mittwoch, 24. Oktober 2012

We can do better

"Compiled with no warnings.", sagt Sergey und lacht, als ich all meine übrig gebliebenen Russischkenntnisse rauskrame und versuche zu sagen, dass mein Russisch leider sehr schlecht sei. Sergey und Konstantin kommen aus Nowosibirsk und sind wegen der EclipseCon vorbeigeflogen. In Westsibirien gibt es vor allem Wälder mit Wölfen und Wodka, sagen sie fröhlich und gucken mich etwas ungläubig an, als ich sage, ich würde gern mal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren. "It takes a week, you know", meinen sie, und ich muss zugeben, dass ich vielleicht nach der dritten Nacht genug von Wäldern mit Wölfen und Wodka drin haben könnte.

Eine ganze Weile haben auch die Talks heute gedauert. Der erste "We can do better" kommt mir jetzt vor, als hätte er gestern stattgefunden. Egal. Interessant waren die meisten, und einige hatten sogar Entertainment-Potential. Zum Glück hat heute mein Notes nicht gestreikt, und alle Notizen sind noch immer da. Jeweils nur einmal, und sogar noch in der Reihenfolge, in der ich sie hinzugefügt habe.

Auf dem Heimweg mache ich Halt bei La Mamma. Das italienische Ristorante wurde mir vom Hotel empfohlen, nur hatte Mamma gestern Ruhetag. Heute hat La Mamma geöffnet, und während der Hausherr freundlich die Gäste herein bittet, marschiert Mamma mit etwas mürrischem, aber definitiv ehrlichen Gesicht durch den Raum und nimmt in rigorosem Italienisch die Bestellung auf. Auf Lächeln hat sie heute scheinbar keine Lust, dafür summt sie leise, wenn sie wieder am Thresen zurück ist. Das mag ich.

Morgen ist Tag drei und damit Abschluss der EclipseCon, und dann geht auch schon wieder der Flieger zurück ins Brandenburgische.


Day2@ECE

Nachdem ich gestern noch bis halb eins damit zugebracht habe, meine Apple-Notes (das Notizprogramm, das neu mit Mountain Lion eingezogen ist; nicht die Lotus-Software) Konfiguration auszumisten und so einzustellen, dass heute Abend hoffentlich nicht wieder alle Notizen entweder verhundertfacht oder temporär weg sind bzw. hinterher im Recovery-Ordner liegen, sitze ich jetzt im Theathersaal und warte auf die erste Keynote, die auf den schmissigen Titel "We can do better" hört und von John Duimovich (IBM) präsentiert werden wird.

Der Kaffee auf der ECE ist übrigens furchtbar. Aber er macht wach. ;)

Dienstag, 23. Oktober 2012

Ursula

6:30 misst das Handy und fängt an, mich aus dem zu kurzen Schlaf zu quäken. Rhythmisch surrt es auf dem kleinen Tisch entlang, und ich denke zuerst an die Dunstabzugsmaschine, die im Bad ihr Unwesen treibt, sobald man den Lichtschalter auf "ein" stellt. Ein tiefer rollender Ton erweckt einen wohl treffenden Eindruck der Laune, die die Maschine haben muss, wenn man als naiver Hotelgast mitten in der Nacht noch einmal versehentlich das Bad betritt. Zehn Minuten später dröhnt das Ding immer noch, obwohl das Licht längst wieder aus ist. Ich habe die Maschine Ursula getauft.

Im Frühstücksraum ist keine Menschenseele zu sehen. Der etwas in die Jahre gekommene Kaffeeautomat rattert noch etwas verschlafen, ist dann aber nachgiebig und rückt den Wachmacher raus, sogar gleich mit Sahne.

Kurz vor acht. Ich werde so was von zu früh da sein, denke ich mir, und entscheide, nicht auf den Bus zu warten, sondern die vom Handy eingeschätzte halbe Stunde Fußweg zu nehmen. Immerhin gilt es ja eine Stadt zu erkunden.

Die Karten-App zeigt mit der Stecknadel auf eine Straßenkreuzung als Ziel und scheint mit sich zufrieden. Tatsächlich steht das Forum nicht weit weg, aber ohne nachzufragen kommen zwei größere Gebäudekomplexe in Frage. Also schwenke ich auf die gute alte Fragetour um. Die funktionierte ja bisher auch.

Am Registrierungsstand für die Namen mit Anfangsbuchstaben A-G steht eine Person. Am Stand für H-L steht keine. Es gibt noch eine dritte - M-Z. Hier ist Partystimmung angesagt. "Hast einen Scheißnamen, wa?", sagt eine Teilnehmerin zum hinter mir Stehenden, blinkert mit den Augen und flötet "Ich geh mir dann mal einen Kaffee holen."

Im Saal, in dem der erste Workshop drei Stunden fesselnde Spannung verspricht, bricht gern einmal das W-LAN zusammen. Was aber auch nicht verwunderlich ist bei 150 mit Laptops bewaffneten Neugierigen.

3 Stunden und eine Mittagspause später gibt's dann die Keynote der Veranstaltung, in welcher neben ein bisschen Talk- und OSGi-Kickoff vor allem über eigenhändig steuernde Drohnen gesprochen wird. Viele Anwendungsfälle werden in vorbereiteten Videos gezeigt. Von Minen-Vermessung über Schwarmintelligenz bis hin zu einer Drohnen-Band, die auf mehreren Instrumenten das James-Bond Thema spielt, ist einiges dabei. Man brauche dafür viele Mathematiker, Informatiker usw., meint der Speaker, und präsentiert eine Folie, auf der in dicken Lettern "Be nice to nerds" steht. Was mich spontan an den Typen damals in dem Psychologen-Café der FU erinnert, der etwas ins Leere starrend seine Suppe löffelte und dabei nervös mit dem einen Augenlid zuckte. Oder an die vielen Mathematiker an unserer Fakultät, die allerdings oft nicht dem gängigen Klischee gerecht wurden. Und an die schlechten Witze - etwa über den extrovertierten Informatiker. Wahrscheinlich ist der Studiengang relativ beliebig austauschbar.

Die weiteren Talks dauern immer eine halbe Stunde. Eine gute Zeitspanne, um einen Eindruck zu bekommen. Bei den Model-Queries zickt das Mikrofon. "Ok, I'll try to stand still, now.", meint ein gelassener Ed Willink, der eigentlich gerade von der Beschleunigung von OCL-Abfragen im Kepler-Release erzählen wollte,  und erntet Spontantbeifall. Er hatte sich noch gar nicht bewegt.
Zwischen den Talks heißt es jeweils "Wir spielen 'Die Reise nach Jerusalem'", wenn eine Stampede von Software-Entwicklern von einem Saal zum nächsten hetzt. Die Vorträge gehen meist natlos ineinander über.

Gegen 18Uhr sind die Talks des ersten Tags vorbei. Der Akku der meisten Laptops schätzungsweise ebenso wie der der meisten Teilnehmer. Noch etwas Feierabend-Smalltalk und ein Glas Bier oder Wein, und dann machen sich die meisten Leute auf den Heimweg.

Draußen ist es noch hell. Also gehe ich noch in den Park und schlendere die Allee Richtung Schloss entlang. Auf einer Tafel steht, dass im 18. Jahrhundert den Leuten die Hand abgehackt wurde, wenn sie Holz aus den Alleen stahlen (also hinterher, nicht währenddessen).

In der Altstadt beschallt ein kleiner Jeans-Laden das Restlicht des nicht gerade sonnigen Tages mit "Mambo No. 5". Heute sieht aber niemand mehr nach Mambo aus. Ein paar Straßen weiter fegt eine Frau die vielen bunten Blätter vor ihrem wunderschönen Gründerzeithaus. Als ich vorbeikomme, stützt sie sich auf die Harke und grüßt freundlich. Zwei Straßen später wird eine Hauswand von urbanen Schmierereien geziert. In Berlin wäre das Gegenstück ein schludrig gesprühtes Hakenkreuz. Hier ist es Karl Marx, und daneben ein Hammer und eine Sichel. Nach Kunst sieht es hier aber genauso wenig aus.