Donnerstag, 25. Oktober 2012

Bye bye black bird

, singt Diana Krall durch die dürftigen Notebook-Lautsprecher, während ich feststelle, dass ich etwas spät dran bin. Also schnell durch Bad und Frühstücksraum gespurtet, den Schlüssel am Empfang abgegeben und ein Taxi bestellt (alles andere wäre utopisch), und schon kann's losgehen.

Die heutige Keynote ist ein furioser Einstieg in den letzten Tag. Chris Heilmann von Mozilla redet über HTML5, Applikationen im Web und wie sie vielleicht nicht sein sollten, und er hat die Lacher auf seiner Seite.

Ansonsten gibt es noch ein paar interessante Talks zu aktuellen Technologien und einen Run zum Bahnhof, von wo ich eine Stunde bis zum Flughafen gondele, nur um dort festzustellen, dass der Flieger Verspätung hat. Aber Stuttgart ist nicht Berlin, und deswegen gibt es nicht 30 Minuten Verspätung. Es gibt 40 Minuten Verspätung. Danke, German Wings. Vielleicht sollten wenigstens die Gates in den Flughäfen bequemer werden...

Und damit wären wir wieder zu Hause. :)


Mittwoch, 24. Oktober 2012

We can do better

"Compiled with no warnings.", sagt Sergey und lacht, als ich all meine übrig gebliebenen Russischkenntnisse rauskrame und versuche zu sagen, dass mein Russisch leider sehr schlecht sei. Sergey und Konstantin kommen aus Nowosibirsk und sind wegen der EclipseCon vorbeigeflogen. In Westsibirien gibt es vor allem Wälder mit Wölfen und Wodka, sagen sie fröhlich und gucken mich etwas ungläubig an, als ich sage, ich würde gern mal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren. "It takes a week, you know", meinen sie, und ich muss zugeben, dass ich vielleicht nach der dritten Nacht genug von Wäldern mit Wölfen und Wodka drin haben könnte.

Eine ganze Weile haben auch die Talks heute gedauert. Der erste "We can do better" kommt mir jetzt vor, als hätte er gestern stattgefunden. Egal. Interessant waren die meisten, und einige hatten sogar Entertainment-Potential. Zum Glück hat heute mein Notes nicht gestreikt, und alle Notizen sind noch immer da. Jeweils nur einmal, und sogar noch in der Reihenfolge, in der ich sie hinzugefügt habe.

Auf dem Heimweg mache ich Halt bei La Mamma. Das italienische Ristorante wurde mir vom Hotel empfohlen, nur hatte Mamma gestern Ruhetag. Heute hat La Mamma geöffnet, und während der Hausherr freundlich die Gäste herein bittet, marschiert Mamma mit etwas mürrischem, aber definitiv ehrlichen Gesicht durch den Raum und nimmt in rigorosem Italienisch die Bestellung auf. Auf Lächeln hat sie heute scheinbar keine Lust, dafür summt sie leise, wenn sie wieder am Thresen zurück ist. Das mag ich.

Morgen ist Tag drei und damit Abschluss der EclipseCon, und dann geht auch schon wieder der Flieger zurück ins Brandenburgische.


Day2@ECE

Nachdem ich gestern noch bis halb eins damit zugebracht habe, meine Apple-Notes (das Notizprogramm, das neu mit Mountain Lion eingezogen ist; nicht die Lotus-Software) Konfiguration auszumisten und so einzustellen, dass heute Abend hoffentlich nicht wieder alle Notizen entweder verhundertfacht oder temporär weg sind bzw. hinterher im Recovery-Ordner liegen, sitze ich jetzt im Theathersaal und warte auf die erste Keynote, die auf den schmissigen Titel "We can do better" hört und von John Duimovich (IBM) präsentiert werden wird.

Der Kaffee auf der ECE ist übrigens furchtbar. Aber er macht wach. ;)

Dienstag, 23. Oktober 2012

Ursula

6:30 misst das Handy und fängt an, mich aus dem zu kurzen Schlaf zu quäken. Rhythmisch surrt es auf dem kleinen Tisch entlang, und ich denke zuerst an die Dunstabzugsmaschine, die im Bad ihr Unwesen treibt, sobald man den Lichtschalter auf "ein" stellt. Ein tiefer rollender Ton erweckt einen wohl treffenden Eindruck der Laune, die die Maschine haben muss, wenn man als naiver Hotelgast mitten in der Nacht noch einmal versehentlich das Bad betritt. Zehn Minuten später dröhnt das Ding immer noch, obwohl das Licht längst wieder aus ist. Ich habe die Maschine Ursula getauft.

Im Frühstücksraum ist keine Menschenseele zu sehen. Der etwas in die Jahre gekommene Kaffeeautomat rattert noch etwas verschlafen, ist dann aber nachgiebig und rückt den Wachmacher raus, sogar gleich mit Sahne.

Kurz vor acht. Ich werde so was von zu früh da sein, denke ich mir, und entscheide, nicht auf den Bus zu warten, sondern die vom Handy eingeschätzte halbe Stunde Fußweg zu nehmen. Immerhin gilt es ja eine Stadt zu erkunden.

Die Karten-App zeigt mit der Stecknadel auf eine Straßenkreuzung als Ziel und scheint mit sich zufrieden. Tatsächlich steht das Forum nicht weit weg, aber ohne nachzufragen kommen zwei größere Gebäudekomplexe in Frage. Also schwenke ich auf die gute alte Fragetour um. Die funktionierte ja bisher auch.

Am Registrierungsstand für die Namen mit Anfangsbuchstaben A-G steht eine Person. Am Stand für H-L steht keine. Es gibt noch eine dritte - M-Z. Hier ist Partystimmung angesagt. "Hast einen Scheißnamen, wa?", sagt eine Teilnehmerin zum hinter mir Stehenden, blinkert mit den Augen und flötet "Ich geh mir dann mal einen Kaffee holen."

Im Saal, in dem der erste Workshop drei Stunden fesselnde Spannung verspricht, bricht gern einmal das W-LAN zusammen. Was aber auch nicht verwunderlich ist bei 150 mit Laptops bewaffneten Neugierigen.

3 Stunden und eine Mittagspause später gibt's dann die Keynote der Veranstaltung, in welcher neben ein bisschen Talk- und OSGi-Kickoff vor allem über eigenhändig steuernde Drohnen gesprochen wird. Viele Anwendungsfälle werden in vorbereiteten Videos gezeigt. Von Minen-Vermessung über Schwarmintelligenz bis hin zu einer Drohnen-Band, die auf mehreren Instrumenten das James-Bond Thema spielt, ist einiges dabei. Man brauche dafür viele Mathematiker, Informatiker usw., meint der Speaker, und präsentiert eine Folie, auf der in dicken Lettern "Be nice to nerds" steht. Was mich spontan an den Typen damals in dem Psychologen-Café der FU erinnert, der etwas ins Leere starrend seine Suppe löffelte und dabei nervös mit dem einen Augenlid zuckte. Oder an die vielen Mathematiker an unserer Fakultät, die allerdings oft nicht dem gängigen Klischee gerecht wurden. Und an die schlechten Witze - etwa über den extrovertierten Informatiker. Wahrscheinlich ist der Studiengang relativ beliebig austauschbar.

Die weiteren Talks dauern immer eine halbe Stunde. Eine gute Zeitspanne, um einen Eindruck zu bekommen. Bei den Model-Queries zickt das Mikrofon. "Ok, I'll try to stand still, now.", meint ein gelassener Ed Willink, der eigentlich gerade von der Beschleunigung von OCL-Abfragen im Kepler-Release erzählen wollte,  und erntet Spontantbeifall. Er hatte sich noch gar nicht bewegt.
Zwischen den Talks heißt es jeweils "Wir spielen 'Die Reise nach Jerusalem'", wenn eine Stampede von Software-Entwicklern von einem Saal zum nächsten hetzt. Die Vorträge gehen meist natlos ineinander über.

Gegen 18Uhr sind die Talks des ersten Tags vorbei. Der Akku der meisten Laptops schätzungsweise ebenso wie der der meisten Teilnehmer. Noch etwas Feierabend-Smalltalk und ein Glas Bier oder Wein, und dann machen sich die meisten Leute auf den Heimweg.

Draußen ist es noch hell. Also gehe ich noch in den Park und schlendere die Allee Richtung Schloss entlang. Auf einer Tafel steht, dass im 18. Jahrhundert den Leuten die Hand abgehackt wurde, wenn sie Holz aus den Alleen stahlen (also hinterher, nicht währenddessen).

In der Altstadt beschallt ein kleiner Jeans-Laden das Restlicht des nicht gerade sonnigen Tages mit "Mambo No. 5". Heute sieht aber niemand mehr nach Mambo aus. Ein paar Straßen weiter fegt eine Frau die vielen bunten Blätter vor ihrem wunderschönen Gründerzeithaus. Als ich vorbeikomme, stützt sie sich auf die Harke und grüßt freundlich. Zwei Straßen später wird eine Hauswand von urbanen Schmierereien geziert. In Berlin wäre das Gegenstück ein schludrig gesprühtes Hakenkreuz. Hier ist es Karl Marx, und daneben ein Hammer und eine Sichel. Nach Kunst sieht es hier aber genauso wenig aus.


Montag, 22. Oktober 2012

Weisch?

Normalerweise legt die allgemeine Planung zum In-die-Arme-Fallen ja fest, dass so etwas bei der Ankunft stattfindet. Weil aber der Flieger in Berlin eine halbe Stunde Verspätung hat, nutzen zwei Stuttgarter Freundinnen die Gelegenheit, sich glücklich in die Arme zu sinken. Zeit genug haben sie ja, denke ich, und werfe noch einmal einen Blick auf die eine Anzeige, die hier funktioniert. Jetzt steht da etwas von Gate 12. Also marschiere ich dorthin und stelle fest, dass auch dort das Gate-Display ausgeschaltet ist. Ein Passagier nutzt die Gelegenheit zu sagen: "Ich frage mich, was schlimmer ist. Die S-Bahn oder der Flughafen."

An der Kofferstation in Stuttgart macht etwas wiederkehrend Krach. Wenig später wird klar, wer der Verursacher ist. Ein kleines Kind zerrt an der Jacke seiner Mutter und zeigt dann strahlend auf einen Koffer, der sich eisern wehrt, die Rampe hoch gefahren zu werden. Er dreht und dreht sich, und er bleibt auf der Stelle. Dann bekommen es alle mit, und während die ersten ihre Handys zücken, den Koffer bei seinem Kampf zu filmen, klatschen andere vergnügt in die Hände. Schließlich springt jemand auf das Koffer-Karussell und fischt unter frenetischem Jubel Aller den Einzelkämpfer von der Rampe.

Bei der S-Bahn wird nicht gejubelt. Das Karten-Schnappgerät funktioniert nicht.  Es schnappt nicht. Der Typ hinter mir schiebt seine Karte drei, viermal ins Gerät und verdreht dann genervt die Augen. "Scheiß", sagt er und springt mit seiner mittlerweile zerknitterten Karte in die S-Bahn.

Ab Station "Universität" bekommen wir Berliner Verhältnisse. Nichts-geht-mehr, heißt die Devise. "Wo steigsch aus?", fragt einer der Zugestiegenen seinen Nachbarn. "Gar net. Ich fahr bis Endstation, weisch?"

Die S5 nach Ludwigburg ist da schon gemütlicher. Bis auf den Aggro-Teenie, der ein FIFA13-Spiel gegen einen Unbekannten im Internet verloren hatte und deshalb seinen Controller "in den Fernseher schmeißen" wollte, was er aber dann doch nicht tat, weil seine Mutter gerade ins Zimmer kam, ist entspannte Ruhe angesagt.

Vom S-Bahnhof bis zum Hotel sind's 20 Minuten zu Fuß, sagt mein Handy. Also klopfe ich an die Scheibe des ersten Taxis, das in der Schlange steht. Der Fahrer nickt und tippt unbeirrt auf seinem Handybildschirm rum, während ich meine beiden Taschen ins Auto wuchte. 7 Euro und eine lustlos nach hinten gereichte Quittung später bin ich in meinem Hotel, wo mich eine Haribo-Tüte und ein ganz nettes Zimmer erwarten.
Na, dann wollen wir mal zur Eclipse Con nach Ludwigsburg fahren. In Familienkreisen heißt die Convention lapidar "Nerd-Con", wobei ich jetzt wahrscheinlich knobeln darf, ob ich das im Bezug auf meine Teilnahme als Kompliment verstehen darf oder eben nicht.

Und weil ich's kaum mehr erwarten kann, bin ich pünktlich zwei Stunden vor Abflug am Flughafen angekommen und weile mich nun etwas lang. Was natürlich nicht stimmt. Ich sollte mich irgendwann noch einmal um den Weg vom Flughafen in Stuttgart zum Hotel in Ludwigsburg kümmern und um einen Plan für morgen Nachmittag. Immerhin haben sie das Programm jetzt online gestellt. Na, "etwas" Zeit bis zum Abflug habe ich ja noch...