Normalerweise legt die allgemeine Planung zum In-die-Arme-Fallen ja fest, dass so etwas bei der Ankunft stattfindet. Weil aber der Flieger in Berlin eine halbe Stunde Verspätung hat, nutzen zwei Stuttgarter Freundinnen die Gelegenheit, sich glücklich in die Arme zu sinken. Zeit genug haben sie ja, denke ich, und werfe noch einmal einen Blick auf die eine Anzeige, die hier funktioniert. Jetzt steht da etwas von Gate 12. Also marschiere ich dorthin und stelle fest, dass auch dort das Gate-Display ausgeschaltet ist. Ein Passagier nutzt die Gelegenheit zu sagen: "Ich frage mich, was schlimmer ist. Die S-Bahn oder der Flughafen."
An der Kofferstation in Stuttgart macht etwas wiederkehrend Krach. Wenig später wird klar, wer der Verursacher ist. Ein kleines Kind zerrt an der Jacke seiner Mutter und zeigt dann strahlend auf einen Koffer, der sich eisern wehrt, die Rampe hoch gefahren zu werden. Er dreht und dreht sich, und er bleibt auf der Stelle. Dann bekommen es alle mit, und während die ersten ihre Handys zücken, den Koffer bei seinem Kampf zu filmen, klatschen andere vergnügt in die Hände. Schließlich springt jemand auf das Koffer-Karussell und fischt unter frenetischem Jubel Aller den Einzelkämpfer von der Rampe.
Bei der S-Bahn wird nicht gejubelt. Das Karten-Schnappgerät funktioniert nicht. Es schnappt nicht. Der Typ hinter mir schiebt seine Karte drei, viermal ins Gerät und verdreht dann genervt die Augen. "Scheiß", sagt er und springt mit seiner mittlerweile zerknitterten Karte in die S-Bahn.
Ab Station "Universität" bekommen wir Berliner Verhältnisse. Nichts-geht-mehr, heißt die Devise. "Wo steigsch aus?", fragt einer der Zugestiegenen seinen Nachbarn. "Gar net. Ich fahr bis Endstation, weisch?"
Die S5 nach Ludwigburg ist da schon gemütlicher. Bis auf den Aggro-Teenie, der ein FIFA13-Spiel gegen einen Unbekannten im Internet verloren hatte und deshalb seinen Controller "in den Fernseher schmeißen" wollte, was er aber dann doch nicht tat, weil seine Mutter gerade ins Zimmer kam, ist entspannte Ruhe angesagt.
Vom S-Bahnhof bis zum Hotel sind's 20 Minuten zu Fuß, sagt mein Handy. Also klopfe ich an die Scheibe des ersten Taxis, das in der Schlange steht. Der Fahrer nickt und tippt unbeirrt auf seinem Handybildschirm rum, während ich meine beiden Taschen ins Auto wuchte. 7 Euro und eine lustlos nach hinten gereichte Quittung später bin ich in meinem Hotel, wo mich eine Haribo-Tüte und ein ganz nettes Zimmer erwarten.
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